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Garen im Erdofen 2

Der Erdofen



Vor einem Jahrtausend hörten die Polynesier auf, Keramik herzustellen und entwickelten dann eine sehr spezielle Art zu kochen. Sie bauten Erdöfen, auf tahitianisch heißt er Ahima`a. Wir hatten schon einiges über diesen traditionellen Ofen, der immer noch zu Feierlichkeiten seine regelmäßige Verwendung findet, gehört und gelesen. Und zu unser großen Freude, erzählte uns Xavier, dass zu diesem Abschlußfest ein solcher Erdofen am Samstag gegen 11 Uhr vorbereitet wird.

Pünktlich um 11 Uhr Vormittag, standen wir um eine ein Meter tiefe Grube und warteten gespannt das es los geht.

In der unteren Bildmitte ist der Erdofen zu erkennen. Auf die Holzkohleglut wurden Korallensteinen gelegt, die sich dann mit der Zeit erhitzen. Unterdessen bereiten die Einheimischen die Füllung für den Ofen vor.

Zwei Männer, der rechte davon heißt Fregeant, den wir später durch Stefan kennenlernen sollten, bereiteten die Füllung für den Erdofen vor. Schweinefleisch und Brotfrüchte wickelten sie in Alufolie ein. Früher verwendete man dafür Bananenblätter. Dann wurde alles in einen Eisenkorb gelegt und zum Schluß kamen oben drauf noch� Kochbananen.



Der fertig gepackte Korb. Im Hintergrund ist Xavier zu sehen.

Auf die heißen Korallensteine wurden unterdessen Bananenstengel gelegt. Nun wurde der Korb in die Grube gestellt.



Die Männer schichteten jetzt mindestens 10

0erte Bananenblätter über den Korb, decken das ganze mit einer Folie ab und verschlossen die Grube mit viel Sand. Fertig.
Jetzt mußten wir alle bis zum nächsten Vormittag warten, erst dann wurde der Erdofen wieder geöffnet.

Am nächsten Tag hatte sich die Erde etwas gesenkt. Der Sand ober drauf war immer noch sehr warm. Um den Erdofen herum war einiges Treiben. Der Ofen schlechthin befand sich an der Rückseite einer Palmenhütten hinter dem Festplatz. Und wenn wir ehrlich sind, fand hier, hinter den kleinen Eßlokalen, das richtige Dorfleben statt. Einige Männer halfen den Frauen beim Abwasch, andere standen an ihren Grillplätzen, andere Männer taten gar nichts und vorne bedienten die Frauen die Gäste, die zum Mittagessen und in Erwartung auf das Essen aus dem Erdofen gekommen waren. Die Kinder veranstalteten unterdessen ein Singwettbewerb.



Das ist eine Abwaschstelle hinter einem Lokal. In dem schwarzen Eimer war das schmutzige Geschirr und das saubere kam in den blauen Eimer.

Stefan hatte schon am Vortag, auf Grund seiner Französischkentnisse schnell Kontakt zu den Einheimischen bekommen. Fregeant und Stefan verstanden sich bestens. Fregeant fragte viel und war bestens in der Welt informiert. Nachdem er hörte, daß Stefan aus Deutschland kommt, fragte er prombt ob er aus Ost oder West Deutschland kommt, was er für ein Auto fährt und was er von Beruf sei. Als Stefan ihm antwortete, er sei Richter, nur ein Fahrrad hat und mit keinem BMW zur Arbeit fährt, da konnte sich Fregeant vor lachen nicht mehr halten. Das war scheinbar der beste Witz, den er an diesem Tag gehört hatte. Das erzählte Fregeant dann auch gleich all seinen Freunden und auch sie fanden das witzig. Aber mit dieser Geschichte war Stefan in die Runde der Einheimischen ein gern gesehner Gast.

Jetzt ging es los. Der Ofen wurde geöffnet.

Rechts steht Xavier und links Stefan.

Das ist von dem riesigen Berg der Bananenblätter übrig geblieben. Rechts ist der Schwiegersohn von Fregeant. Im Hintergrund stehen ganz unbeeindruckt und an die Bäume geleint, drei Ziegen.

Jetzt wird es ernst. Das erste Fleisch zum testen wird ausgewickelt.

Fregeant bringt uns eine kostenlose Probe.

Und das, was ihr hier auf dem Teller seht, schmeckte unschlagbar gut.
Am unteren Tellerrand seht ihr eine gelbe und eine braune Kochbanane. Die gelbe wurde tatsächlich gekocht und die braune kam aus dem Erdofen. Neben der braunen Banane liegt ein helles Stück Brotfrucht und da drüber ein braunes Stück Brotfrucht. Das braune kam aus dem Ofen und schmeckte weich und ähnlich wie süßliches Kartoffelmus. Die helle Brotfrucht wurde einfach sehr lange auf heiße Holzkohle gelegt und schmeckte fast wie eine sehr gute festkochende Kartoffel. Das Schweinefleisch war Butter zart und zerfiel in unseren Fingern. Und die grüne Garnitur war ein Mix aus Ruccula und Bärlauch. Die Krönung war allerdings die selbstgepresste Kokosmilch, die über das Ganze gegossen wurde.

Als eingefleischte Europäer hatten wir natürlich noch nie gesehen, wie man Kokosmilch herstellt. Auch das wurde uns geboten.

Hier liegen noch die entkernten Kokosnüsse.

Das Kokosfleisch wurden klein geraspelt, in ein feines Tuch getan und dieses kräftig ausgewringt. Fertig ist die Kokosmilch. Und sie hat überhaupt gar nichts mit der Kokosmilch zu tun, die wir aus den Asialäden in Deutschland kennen.